Weaning Zentrum

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Der medizinische Fortschritt und die Altersstruktur unserer Bevölkerung haben in den letzten Jahrzehnten auch zu tiefgreifenden Veränderungen in der Intensivmedizin geführt. Immer mehr und immer ältere Patienten überleben mit Hilfe der Intensivmedizin schwerste Erkrankungen und ausgedehnte Operationen. Oft ist für die Behandlung eine künstliche Beatmung erforderlich. Kommen vorbestehende Lungen- und Atemwegserkrankungen wie COPD hinzu oder hat sich bei schwerem Krankheitsverlauf eine ausgeprägte Schwäche der Muskulatur insbesondere des Zwerchfells ausgebildet, ist die Rückkehr zu einer selbständigen Atmung schwierig.

Mit Weaning bezeichnet man den oft komplizierten und langwierigen Prozess, in dem ein maschinell beatmeter Mensch wieder lernt ohne Beatmungsgerät zu leben.

2010 haben wir das Weaning-Zentrum am Sankt Vincentius Krankenhaus Speyer eröffnet. Unser Ziel: schwerstkranke Patienten mit Langzeitbeatmung vom Respirator zu entwöhnen und damit ihre Lebensqualität entscheidend zu verbessern.

Wir verstehen die Beatmungsentwöhnung als Bestandteil eines umfassenden Therapiekonzeptes, das den ganzen Patienten in den Blick nimmt. Erfahrene Intensivmediziner, Lungenfachärzte und Schmerztherapeuten, Intensivpflegekräfte, Atmungstherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden arbeiten bei uns in einem Team eng zusammen. Eine intensive fachpsychologische und auch seelsorgerische Betreuung hilft unseren Patienten wieder Vertrauen zu sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

Viele schwer erkrankte Patienten konnten wir so in den vergangenen Jahren erfolgreich von der maschinellen Dauerbeatmung entwöhnen.

Das Weaning-Zentrum Speyer ist in die anästhesiologisch geleitete interdisziplinäre 14-Betten-Intensivstation des Sankt Vincentius Krankenhauses integriert. Alle Möglichkeiten der modernen Intensivmedizin stehen hier zur Verfügung. Dazu zählt natürlich auch eine differenzierte Beatmungstherapie mit modernsten Geräten. Die Pneumologie unseres Hauses bietet eine umfassende lungenfunktionelle und endoskopische Diagnostik und Therapie an.

Langzeitbeatmete Patienten haben aber häufig nicht nur pulmonale Probleme, die eine Entwöhnung vom Beatmungsgerät erschweren. In unserem Krankenhaus der Akutversorgung stehen Fachärzte aus den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie, HNO, Urologie und Orthopädie rund um die Uhr zur Verfügung, um Begleiterkrankungen kompetent zu behandeln. Auch Dekubitalgeschwüre als Komplikation einer lang dauernden Intensivtherapie können bei uns während des Weaning plastisch-chirurgisch versorgt werden. In Zusammenarbeit mit unserer Klinik für Konservative Orthopädie und Schmerzmedizin sind Schmerzsyndrome gezielt therapierbar.

Wir verstehen die Beatmungsentwöhnung als Bestandteil eines umfassenden ganzheitlichen Therapiekonzeptes, das den ganzen Patienten mit seinen physischen und psychischen Bedürfnissen in den Blick nimmt. Grundlage ist stets eine ausführliche Untersuchung der Patienten und Anamneseerhebung zu Beginn der Behandlung bei uns. Wir arbeiteten die speziellen Probleme im zurückliegenden Behandlungsverlauf heraus und analysieren die Ursachen bisher gescheiterter Entwöhnungsversuche.

Aufgrund dieser Erkenntnisse legen wir individuelle Behandlungsschwerpunkte fest und formulieren gemeinsam mit unseren Patienten und ihren Angehörigen erreichbare Etappenziele, die im Therapieverlauf schrittweise erweitert werden. In regelmäßigen interdisziplinären Teamgesprächen erörtern und bewerten wir Fortschritte und Probleme des einzelnen Patienten und passen die Behandlungsplanung dem individuellen Weaning-Verlauf an.

Die Patienten werden zur Beatmungsentwöhnung aus Kliniken der Region, immer häufiger auch aus größerer Entfernung zu uns verlegt. In der Regel haben Sie und Ihre Angehörigen einen langen und belastenden Weg auf Intensivstationen hinter sich.

Mentale Einstellung und Motivation des Patienten sind mit entscheidend für den Erfolg einer Entwöhnung vom Beatmungsgerät. Unsere Erfahrungen zeigen, dass immer wieder Ängste und Zweifel des Patienten, aber auch ein Verlust des Vertrauens in das eigene Leistungsvermögen und in das behandelnde Team, dem Weaning-Erfolg im Wege stehen. Gezielter Abbau vorhandener Ängste und der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen Patient und Behandlungsteam sind daher neben der kompetenten medizinischen Therapie wichtige Eckpfeiler unseres Behandlungskonzeptes. 

Mit der schrittweisen Verringerung der maschinellen Atmungsunterstützung geht ein intensives physiotherapeutische Training einher. Die Handgriffe des täglichen Lebens, auch Essen und Trinken, müssen unter fachkundiger Anleitung oft nach und nach wieder erlernt werden. Bei vorbestehenden Lungenerkrankungen schließt unser Behandlungskonzept auch die individuelle Einstellung auf eine zeitweise nicht-invasive Beatmung z. B. über Nacht ein. Diese Form der Beatmung wird nicht über einen Beatmungsschlauch in der Luftröhre, sondern mit einer Therapiemaske durchgeführt. Unser klinikeigenes Schlaflabor ermöglicht eine individuelle Betreuung und Anpassung dieser Behandlung. Ist keine invasive maschinelle Beatmung mehr erforderlich, bedeutet die Verlegung aus dem Intensivpflegebereich auf eine periphere Station wieder einen Schritt weiter in die Normalität des Alltags. Natürlich wird die intensive Physiotherapie auch hier weitergeführt, denn schließlich wollen wir unseren Patienten helfen ihre Selbständigkeit soweit wie möglich wieder zu erlangen. Dazu gehört auch die Organisation einer stationären Anschlussheilbehandlung und der weiteren häuslichen Versorgung.

Kontakt

Einweisende Kliniken und Ärzte nehmen bitte Kontakt auf:

Dr. med. Ulrike Schlegl
Fachärztin für Anästhesie
Oberärztin Anästhesie und Intensivmedizin

Dr. med. Thorsten Hauguth
Facharzt für Anästhesie
Oberarzt Anästhesie und Intensivmedizin

Telefon
06232 133 380

Fax
06232 133 394

E-Mail
weaning(at)vincentius-speyer.de


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